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4. Symposium für Lebensmittelsicherheit

 

 

Am 12. und 13.04.2018 veranstaltete die „Gemeinnützige Lebensmittelinitiative für Österreich“ (GLi) im Hotel „Paradies“ in Graz ihr jährliches Symposium zum Thema „Lebensmittelsicherheit - von der Wissenschaft in die Praxis“. Neue Anforderungen setzen eine ständige Weiterentwicklung der Führungskräfte innerhalb der Lebensmittelbranche voraus. Die bis auf den letzten Platz ausgebuchte und jährlich wachsende Veranstaltung beeindruckte auch dieses Jahr mit einer hochkarätigen Gästeliste, die sich wie ein „Who-is-Who“ der Lebensmittelbranche liest. Von Handelsketten, Erzeugern aus allen Branchen, bis hin zu Universitäten und Dienstleistern – alle fanden sich ein, um sich in  entspannter Atmosphäre in geselligem Kreis über die kommenden Herausforderungen und Projekte der Branche zu informieren und auszutauschen. 

 

Hochaktuelle Thematiken, praxisnahe dargebracht.

Im Zuge des Events wurden aktuelle und aufkommende Fragestellungen wie IFS 6.1., Food Fraud, Mikrobiomforschung, Mineralölrückstände in Lebensmitteln, mikrobiologische Fehleranalyse, Hygenic Design, Fremdkörper in Lebensmitteln, Führungskompetenzen, Validierung von HACCP Konzepten und Cyber Crime behandelt: diese Themen aufbereitet in einer lebendigen Mischung aus Vorträgen, Workshops und Podiumsdiskussion, bildeten die Eckpfeiler der Veranstaltung. Die vorgestellten abgeschlossenen, laufenden und zukünftigen Branchenprojekte der GLi stießen bei den Teilnehmern auf großes Interesse. Disseminationspapiere wurden diskutiert und zukünftige Projekte und deren Design besprochen.

 

Nach den Einführungsworten des GLi-Geschäftsführers August Staudinger und Hygienicum Institutsleiters Dr. Michael Stelzl tauchte man mit einem für den Sachverhalt ungewohnt erfrischenden Vortrag von Eric Hinzpeter  MSc der IFS Management GmbH in das spannende Thema „Food Fraud“ ein. Dieser Aspekt der Lebensmittelsicherheit nimmt in der neuen Auflage des IFS 6.1. eine zentrale Stellung ein: die immer komplexeren Warenströme der globalisierten Wirtschaft bieten umfassende Angriffsflächen für kriminelle Energien, die sich einen ökonomischen Vorteil erschleichen wollen. Verwundbarkeitsanalysen, Risikomanagement und Monitoring des Marktes spielen eine essentielle Rolle um vor diesen Attacken, wie beispielsweise falsche Deklarationen, gefeit zu sein. Generell sollte man sich hier auf den gesunden Menschenverstand verlassen: „wenn etwas zu gut ist um wahr zu sein, dann ist es meist nicht wahr“. Auch die teilweise Verknüpfung der IFS Datenbanken inklusive Audits mit den zuständigen Behörden, sowie den einhergehenden Konsequenzen für alle Beteiligten stieß auf große Aufmerksamkeit bei den Teilnehmern.

 

Neuer Fokus bei Audits: Validierung bei IFS / HACCP.

Im Anschluss ging Dr. Michael Stelzl auf eine aktuelle Thematik ein: „Validierung im Sinne von IFS und HACCP“ – also die praktische Erprobung bei Prozessen auf ihre Wirksamkeit. Dieser Aspekt gewinnt im Verlauf von IFS Audits stetig an Bedeutung. Er betonte, dass viele dafür notwendige Daten schon innerhalb der Firma vorhanden sind, es jedoch an deren Bündelung, geordneten Archivierung und Dokumentation scheitert. Auch ein von DI Marica Pfeffer-Larsson MSc und Harald Kleber geführter Workshop beschäftigte sich mit diesem Thema, das bei den zuständigen QMs auf angeregtes Feedback stieß. Hier besteht für viele Firmen ein erheblicher Nachholbedarf, wie die Experten aufgrund ihrer Erfahrung berichteten. Hierbei wurden kostensparende Lösungsansätze besprochen: Recherche des bestehenden Wissens, Zusammenfassung der vorhandenen Daten und umfassende Schulung und Informationen seitens der Maschinenhersteller spielen dabei eine wesentliche Rolle.

 

Brisant: Mineralölablagerungen in Lebensmitteln.

Ein Thema das die Lebensmittelbranche auf längere Sicht begleiten wird, behandelten Prof. Dr. Erich Leitner (TU Graz) und DI Murhammer (Kluber Lubrication) in zwei separaten Vorträgen: „MOSH / MOAH – die Ablagerung von Mineralölprodukten in Lebensmittel“. Diese Thematik gewinnt innerhalb der EU und unter Lebensmittelexperten stark an Bedeutung. Die gesamte Wertschöpfungskette ist betroffen: vom Maschinenhersteller, Serviceprodukterzeuger, Verpacker, Logistiker und Produzent bis zum Handel – alle müssen daran arbeiten unsere Lebensmittel möglichst frei von Mineralölablagerungen zu halten.

Bis dato gibt es noch kein Gesetz, das die erlaubten Ablagerungsmengen der beiden Mineralölfraktionen MOSH / MOAH bestimmt. Allerdings ist es nur eine Frage der Zeit bis Regelungen eingeführt werden. Die Forschung beschäftigt sich zurzeit unter anderem mit der folgenden Frage: Wie kommen die Ablagerungen in das Produkt? Sei es über Maschinen, deren Öle, Verpackungen, Lieferwege oder eben über den großen Risikofaktor: Mensch. Dieses komplexe Thema steckt noch in den Kinderschuhen und wird die Branche auf längere Sicht in Atem halten. Hier bietet das derzeit in Planung befindliche Branchenprojekt „MOSH / MOAH“ der GLi für Unternehmen eine Möglichkeit mit Experten zusammenzutreffen und  zukunftsweisende Forschung auf diesem Gebiet zu betreiben.

 

Evolution der Wissenschaft durch Mikrobiomfoschung.

Mit seinem lebhaften und anschaulichen Vortrag zum Thema „Das Potential der Mikrobiomforschung in der Lebensmittelkette“ begeisterte Prof. Dr. Martin Wagner seine Zuhörer. Europa ist in diesem Bereich federführend und dieses Forschungsfeld bietet neue Möglichkeiten für die Lebensmittelherstellung in Hinblick auf verschiedene Reifungsprozesse. Prof. Wagner wies auch auf die Vergänglichkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse hin: So wurde seinerzeit der Lymphknoten als steril betrachtet – nun weiß man allerdings, das er mehr als 600 teils gefährliche Bakterien beinhaltet, die über das Messer in die Lebensmittelprodukte gelangen können. Auch die Behandlung der Schweine mit Breitbandantibiotika tötet, entgegen früherer Annahmen, nur einen minimalen Bruchteil dieser Bakterien und ist nahezu nutzlos.

 

Natürlich künstlich – künstlich natürlich.

Ob Bio-Polymere immer Bio sein müssen und was es mit dem Hype darum auf sich hat, beleuchtete der Verpackungsspezialist des OFI, Dr. Michael Washüttl, in seinem Vortrag. Grundsätzlich gilt: Die Verpackung muss zum Produkt passen. Dabei geht es vor allem darum, gegen welche Einflüsse von außen die Verpackung das Produkt wie stark schützen soll. Am Schluss wurde noch ein Blick in die Zukunft gerichtet und die  Kunststoff-Hoffnung PEF – Polyethylenfuranoat vorgestellt. Dieses Material verfügt über wesentlich bessere Barriereeigenschaften als die  Alternativen, ist jedoch derzeit mit Kosten im fünfstelligen Euro-Bereich pro kg noch ein wenig teuer.

 

Drin, was nicht rein gehört.

Alle Lebensmittelproduzenten mussten sich schon mit dem Thema „Fremdkörperpartikel in Lebensmitteln“ auseinander setzen. Dr. Dobianer MAS und Dr. Stanislawski beleuchteten dieses Thema aus verschiedenen Perspektiven: einerseits aus Sicht der Risikobewertung eines Gutachters und andererseits aus gewebekundlicher Sicht in Bezug auf Knochensplitter. Generell wurde betont, dass der „Mensch mehr aushält als der Gesetzgeber glauben macht“ und das vorhandenes Fachwissen der Experten beim Entstehungsprozess von Gesetzen verstärkt mit einbezogen werden sollte.

 

Gemeinsame Problembearbeitung.

Den Abschluss des ersten Tages bildeten verschiedene Workshops zu den Themen: Verpackungsmaterialen laut IFS, HACCP: Validierung und Verifizierung, Methodik mikrobiologischer Fehleranalyse, Hygienic Design und Führungskompetenzen in der Unternehmenskultur. Das Fachwissen von Dr. Michael Stelzl, DI Marica Pfeffer-Larsson MSc, Dr. Jürgen Hofmann, Dr. Bergmaier und Mag. Schafzahl fand bei den Teilnehmern großen Anklang und führte zu regen Diskussionen während des Ausklangs beim Gala-Dinner des ersten Tages. 

 

DSGVO – Chance oder Qual?

Zum Abschluss des Zweiten Tages führte DI Oskar Wawschinek, gewohnt humorvoll durch einen Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion zum allgegenwärtigen Thema Cybercrime, Datenklau und dessen Auswirkungen.

Die Diskussionsteilnehmer Mag. Alexander Gaisch (Landespolizeidirektor- Stellvertreter), Dominic Neuman, MBA (Unternehmensberater und Sachverständiger für Informationstechnik), DI Markus Liebeg, BSc (Hofer Leitinger & Poppe Unternehmensentwicklung GmbH), Anton Leitner (CIO, Nöm AG) und Werner Stadler (Qualitätsmanagement Haberfellner Mühle) thematisierten notwendige Sicherheitsvorkehrungen und technologische Voraussetzungen um die Betriebe zu rüsten. Mit dem eingängigen Satz: „ein E-Mail ist eine Postkarte, erst die Verschlüsselung macht sie zu einem eingeschriebenen Brief“ führte der WKO Experte Leitner anschaulich vor Augen, woran es in vielen Betrieben hapert.

Interessanterweise betonten die Kenner der Materie die positiven Aspekte der DSGVO, die von manchen Betrieben als Belastung betrachtet wird. Laut einhelliger Meinung der Diskutanten schärft die DSGVO nun auf Führungsebene das längst überfällige Bewusstsein für IT- und Datensicherheit.

Anhand von stattgefundenen Attacken betonten alle Experten die Wichtigkeit von Schulungen für Mitarbeiter. Auch hier stellt der menschliche Faktor das größte Gefahrenpotential dar, denn die meisten Angriffe finden via „Social Engineering“ statt, also der gezielten Manipulation der Mitarbeiter. Schon relativ einfache Mittel, wie Bewusstseinsbildung, Schulungen und Prüfung von Zugangsberechtigungen, können so potentiell existenzgefährdende Auswirkugen verhindern.

 

GLi: gemeinsames Wachstum durch offene Netzwerke.

Gegen Ende des Events strich Geschäftsführer August Staudinger nochmals einen Eckpfeiler der GLi hervor -  Erfolg durch Gemeinsamkeit: miteinander Interessen zu bündeln, zu kommunizieren und ökonomisch sinnvoll umzusetzen!

Aufgrund des positiven Feedbacks der Teilnehmer veranstaltet die GLi auch nächstes Jahr im April 2019 das nunmehr 5. Lebensmittelsymposium: die familiäre Atmosphäre, die hochkarätige Teilnehmerschaft und die inhaltliche Ausrichtung bilden die fulminante Mischung, die diese Veranstaltung so einzigartig macht.

 

Vielen Dank für Ihre Teilnahme!

 

 

Hier können Sie die Vorträge und Fotos downloaden!